Es muss nicht immer hochkannt sein

Wie hätte wohl Rembrandt seine Gemälde komponiert, wenn es Leinwände seinerzeit nur im Hochformat gegeben hätte? Wie würden die Filme von Martin Scorsese, Alfred Hitchcock oder Akira Kurosawa wirken, wäre die Leinwand im Kino höher und weniger breit? Nur weil man ein Smartphone halten kann wie ein Eis am Stil, müssen wir unsere Filme und Bilder nicht einem Automatismus folgend auf ein einziges Bildverhältnis beschränken. Zugegeben, für manche Inhalte ist das Hochformat praktisch: der Influenzer spricht zu seinem Publikum. Der Fokus ist zentral auf unserem Protagonisten, der Hintergrund spielt keine große Rolle. Auch in Kino wird manchmal ein weniger breites Format gewählt. Für den Film Saltburn (2023) wurde ein beinahe quadratisches Seitenverhältnis von 1,37:1 gewählt, um die Architektur des Schlosses Satltburn Estat mit seinen hohen Zimnmerwänden besser zur Geltung zu bringen. Das Reportagefoto und der klassische Film mit seinem eher breiten statt hohen Seitenverhältnis von 16:9 bietet gerade soviel Platz, um einen Menschen in seinem Kontext zu zeigen. Der Hintergrund ist dabei ebenso wichtig wie der Vordergrund. Und je teurer die Produkion wirken soll, desto breiter wird das Bildvormat. Teurer deshalb, weil man ein viel größeres Set bauen muss. Ben Hur (1959) mit einem Seitenverhältnis von 2,76:1, zählt auch heute noch inflationsbereinigt zu den teuersten Produktionen aller Zeiten. Dabei hat man gerade bei der Produktion für Social Media die Wahl. Für die eigene Webseite und Youtube ist weiterhin das Breitbild günstiger. Auf Plattformen wie Instagram und Linkedin kann man beinahe jedes Seitenverhältnis hochladen. Am größten dargestellt wird 9:16, aber auch das quadratische 1:1 erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Der Gestaltungsspielraum ist größer, und es ist einfacher, unterschiedliche Format-Versionen für die verschiedenen Medien zu produzieren. Für eine rundum filmische Wirkung kann man auch im Breitbild produzieren, und die Social-Media-Versionen um 90 Grad rotiert in das Hochformat einpassen. Auch dies ist derzeit ein Trend. An dieser Stelle also der Appell: lasst euch nicht einengen durch ein fixes Seitenverhältnis. Seit kreativ und nutzt es zu eurem Vorteil im Sinne der Story, die ihr erzählen wollt.